Iguazu Wasserfälle in Argentinien

Iguasu Fälle

Der Weltenbummler Peter Landgraf beschreibt in diesem Gastbeitrag seine Eindrücke vom Besuch der Iguazu Wasserfälle in Südamerika. Die Wasserfälle befinden sich zwischen Brasilien und Argentinien und gelten als die größten Wasserfälle der Erde. Außerdem gibt Peter hilfreiche Reisetipps für alle, die die Iguacu Fälle mit eigenen Augen sehen wollen.

Wasser, Stromschnellen, Wasserfälle – das Rauschen in meinem Kopf schwillt zum Donner, je weiter wir uns dem ersten Katarakt des Río Iguazú im Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay nähern. Der Fluss stürzt, nur von ein paar Felsformationen unterbrochen, auf einer Breite von 2.700 m etwa 80 m in die Tiefe. Diese Wasserfälle gelten als die größten der Erde, gewaltiger als die Niagarafälle oder die Viktoriafälle.

Brücken wechseln auf dem Upper Trail der argentinischen Seite mit befestigten Wegen und Aussichtspunkten, die immer neue und großartige Blicke auf die Kaskaden des Flusses freigeben. Insgesamt sollen es zweihundertfünfundsiebzig sein, die Fälle auf der brasilianischen Seite eingeschlossen.

Vor und unter uns rauschen die Wassermassen und stürzen weiß schäumend und Gischt aufwirbelnd über die Felslippen in den Schlund. Dos Hermanas, die beiden Brüder, wird der erste Doppelfall genannt. Von der Plattform beim Chico überblickt man vier weitere Fälle. Oberhalb des zweistufigen Falles Mendez erreichen wir das Ende des Steges mit Blick auf die spektakulärste Kaskade Argentiniens, die nach dem Nationalhelden San Martin benannt wurde. Die hohe Luftfeuchtigkeit bricht die Sonnenstrahlen und verstärkt deren brennende Wirkung. Nur wenige Schattenplätze bieten Schutz.

Auf dem Rückweg beobachten wir Schmetterlinge und Kolibris, die in den blühenden Büschen auf den kleinen Inseln nach Nahrung suchen. Aufdringliche Nasenbären betteln ohne Scheu. Zahlreiche Vögel nisten in den Bäumen am Ufer.

Wasserfälle in Südamerika

Eine Schmalspurbahn verbindet das Besucherzentrum mit dem Steg zur Hauptattraktion Garganta del Diablo, der Teufelskehle. In Ufernähe windet sich die Trasse durch den Regenwald flussaufwärts. Vögel fühlen sich gestört und fliegen auf. Ein Tucan-Pärchen sitzt auf einem hohen Baum. Papageien schreien. Affen hangeln von Ast zu Ast. Reiher und Kormorane staksen in Ufernähe durchs seichte Wasser. Hier sind wir der Natur sehr nah – ihrer Schönheit wie auch ihrer Gewalt.

Ein 1.700 m langer Steg führt in das breite Flussbett hinein. Faszinierende Blicke erschließen sich uns. Der Strom fließt zunächst träg dahin. Iguazú nennen ihn die Indios seit Urzeiten, Großes Wasser. Die Sonne spiegelt sich in seiner Fläche und blendet. Umgestürzte Bäume und von den Ufern ausgespülte Grasinseln treiben dem Abgrund zu. Fische können wir in der Nähe des Stegs ausmachen und einen nach Beute lauernden Kaiman.

Verrostete Stützpfeiler der von einer Flut weggerissenen alten Brücke ragen an einigen Stellen noch aus dem Wasser. Kein beruhigender Anblick für Angsthasen, die spätestens zur Mitte hin die Vibration der Stege bemerken.

Lärm erfüllt die Luft am Endpunkt. Wir stehen unmittelbar am oberen Rand der Teufelskehle und beobachten angespannt das Inferno der stürzenden Wassermassen. Das donnernde Getöse verschluckt jedes Wort. Doch keiner spricht, jeder ist mit sich und seinen Gedanken über die unbändige Kraft der Naturgewalten beschäftigt.

Am Nachmittag fahren wir ein Stück flussabwärts und über eine Brücke hinüber auf die brasilianische Seite. Dort geht es zurück zu den Cataratas do Iguacu, wie die Fälle auf Portugiesisch heißen.

Eine Terrasse inmitten des tropischen Regenwaldes gibt eine grandiose Aussicht auf das Naturschauspiel frei. Die Kette der argentinischen Fälle liegt vor uns, daneben die Isla San Martín mit weiteren Kaskaden; links sehen wir die Teufelskehle mit ihrer tiefen Schlucht und direkt unter uns die Strudel am reißenden Zusammenfluss des brasilianischen Arms des Iguacu mit dem argentinischen.

Oberhalb des Flussbetts wandern wir weiter. Der Blick vom Aussichtsturm genügt uns nicht. Wir steigen hinunter in die Schlucht und folgen einem Steg, der noch viel abenteuerlicher in den Fluss hineingebaut wurde als jener, der gestern zum Garganta del Diablo führte.

In zwei Stufen fällt der Strom über schroffe Felswände in die Tiefe; links über uns die Kaskade Floriano; rechts unter uns die Kaskade Santa María. Ein letztes Foto, dann schwillt die aufwirbelnde Gischt so stark an, dass wir in wenigen Minuten durchnässt sind und die Kameras schützend in den Taschen verstecken müssen.

Mutig gehen wir bis zum Ende des Stegs. Greifbar nahe stürzen die Wassermassen direkt vor uns mit donnerndem Grollen herab, das jenes, von gestern übertrifft. Nebelschwaden hüllen uns ein. Der Himmel verfinstert sich. Erst auf dem Rückweg kommt die Sonne wieder zum Vorschein.

Wasserfälle in Brasilien

Peters Reisetipps:

Reisezeit:
Frühling und Sommer reichen von Oktober bis März mit viel Sonne und heißen Tagen und zwischendurch auch Regen. Von April bis Juni erstreckt sich der Herbst mit meist unbeständigem Wetter. Der sogenannte Winter von Juli bis September ist am Tag angenehm warm mit kühlen Nächten aber wenig Niederschlägen. Ich würde die Reisezeit davon abhängig machen, welche Länder sonst noch aufgesucht werden. Iguazú passt immer dazwischen.

Highlight:
Am imposantesten war für mich der Blick von unten  auf die Teufelskehle auf der brasilianischen Seite. Auf der argentinischen Seite kann man länger auf/über und zwischen den Fällen spazieren gehen. Dort sind auch Bootsfahrten möglich (auf die wir aus Zeitgründen verzichten mussten). Über den Lower Circuit kommt man naturnah durch den Regenwald ans untere Flussufer. Dort besteht auch die Möglichkeit zum Übersetzen auf die Isla San Martín, welche Argentinien von Brasilien trennt.

Insidertipps:
Ein Nachmittag in Argentinien und ein Vormittag in Brasilien waren zu wenig. Sollte ich nochmals hinkommen, würde ich drei Tage/zwei Nächte bleiben. Nebenbei: Wir übernachteten im kolonialen Hotel Das Cataratas sehr gut aber auch sehr teuer. Bestimmt gibt es günstigere Gelegenheiten in den nahen Städtchen Foz do Iguazu (bras.) oder Puerto Iguazú (arg.). Dazwischen liegt die sogenannte Freundschaftsbrücke.

Danke an gpoo, SF Brit und markg6 für die Bilder von Flickr.

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