Reisebericht aus der Südsee: Tahiti – Teil 4/5

In früheren Beiträgen hat Peter Landgraf von seinem Besuch in Kona auf Big Island, dem Vulkan Kileau auf Big Island und seinem Abschied von Maui erzählt. In seinem vierten Gastbeitrag berichtet Peter jetzt von seinem Besuch auf Tahiti.

Die erste Begegnung auf Tahiti

Matahei serviert uns in der Halle des Maeva Resort auf Tahiti mit sanftem Lächeln Erfrischungen. „Maeva“, ruft er uns zu, den Willkommensgruß des Landes. Seinen Namen lese ich auf einem kleinen Schild auf seinem Pareu. Ich muss schmunzeln. La Garçonne wurde in den 1920-ern das Mädchen genannt, das wie ein Mann aussehen wollte, der wie ein Mädchen aussieht – mit engen Hosen und taillierter Jacke, kurz geschnittenen und schwarz gefärbten Haaren, mit dem gestelzten Gang eines Mannequins und einer knabenhaft schlanken Gestalt.

Der Mahu ist die tahitische Variante – und Matahei ist ein solcher: Ein Mann, der eine Frau sein möchte. Das Gesicht bartlos mit weichen Zügen. Den ebenso weichen wie weiblichen Oberkörper mit einem Ansatz von Brüsten in einen landestypischen Umhang, den Pareu, gehüllt. Darunter die verkümmerten männlichen Attribute, deren mangelnde Kraft gar nicht vermisst wird.

Nach der Tradition wurde in großen Familien einer der Söhne ausgewählt, wie eine Frau erzogen und als Diener dem Ältesten des Stammes in Obhut gegeben. War dieser Mahu von Natur ein Zwitter, was in Folge des häufigen Inzests gar nicht selten vorkam, war auch seine Rolle als Transvestit perfekt. Noch heute gehören die Mahus zur polynesischen Kultur.

Eine weitere Begegnung auf Tahiti

Dem Nieselregen folgen anhaltende Schauer. Wir machen deshalb Pause und kehren in das polynesische Restaurant beim Gauguin-Museum ein.

Die Chefin ist an Leibesfülle nicht zu überbieten. Die von Rubens gemalten Frauen wirken kränklich im Vergleich. Ihre Haare hat sie geknotet und mit einem bunten Tuch in den Farben ihres Pareus auf ihrem übergroßen Kopf hochgebunden. Sie heißt uns mit einem „Maeva“ willkommen. Ihre Stimme ist weich und rund. Ihre großen, sanften Augen und ihr Lächeln sind unwiderstehlich. Würde Gauguin sie gekannt haben, er hätte sie sofort gemalt – nicht hinter der modernen Scannerkasse, sondern unter den Blüten eines Hibiskusstrauches. Ihre hellbraune Haut ist zart und rein – keine Pigmentflecken, nur weiche Konturen.

Ein Zeltdach schützt die Tische und Stühle des offenen Restaurants, das fast gänzlich besetzt ist. Heute ist Sonntag und die Einheimischen lassen sich nach dem Kirchgang verwöhnen.

Die Tochter führt uns an einen ruhigen Tisch auf der Strandseite. Der prasselnde Regen übertönt das Plätschern der Wellen. Sie reicht uns die Speisenkarte.

„Iaorana, hallo. Ich hoffe, Sie fühlen sich wohl bei uns.“

Danke an Viajar24h.com und Steve Punter für die Bilder.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.