Mit 80 Ängsten um die Welt

Hier ein ganz besonderes Schmankerl für alle reiselustigen Leseratten. Dieser Gastbeitrag ist ein Auszug aus Yannik Mahrs Buch Mit 80 Ängsten um die Welt, indem er mit viel Humor über weitverbreitete Reiseängste wie Flugangst, Durchfallerkrankungen oder Diktaturen schreibt. Yannik bezeichnet sich selber als Fernreiseangsthase und brauchte ganze 10.000 Tage bis er sich traute Europa mit dem Flugzeug zu verlassen.

Das Buch ist voller unterhaltsamer Anekdoten aus fernen Ländern und super für alle, die diesen Sommer in Balkonien verbringen. Hier ein kleiner Vorgeschmack…

Nepper, Schlepper, Taxifahrer

Es nervt, wenn man auf Reisen immer und immer wieder mit denselben Maschen angegangen wird, nur weil man aus einem Land mit staatlich garantierter (Mini-)Rente kommt. Das beginnt bei der Frau in Tunis, die einem zur Begrüßung eine Rose in die Hand drückt und sofort Geld will, wenn man so naiv ist, die Blume zu nehmen. Es geht weiter bei den unzähligen Gruppen bärtiger Männer, die so tun, als könne man beim Hütchenspielen alles, außer verlieren. Oder der fürsorgliche Herr in Bangkok, der Touristen weismachen will, alle Tempel in der Stadt seien heute geschlossen und nur er wüsste einen, den man besichtigen kann… Der neueste Trick stammt aus Istanbul: Dort lassen Schuhputzer vor Touristen scheinbar zufällig eine Bürste fallen, die die Reisenden natürlich pflichtschuldigst aufheben und denken, das folgende Schuhputzen sei ein kleiner, kostenloser Dank…

Ballack, Ballack

Deutsche Reisende kann es ungemein stolz machen, wenn Fremde auf das Stichwort Germany mit „Olli Kahn“ oder „Poldi, Poldi“ antworten. Fußball ist oft der schnellste Weg, um mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Vorsicht sollte man allerdings im arabischen Raum bei plötzlichen „Ballack“-Rufen sein. In der Medina von Fes riefen mir fliegende und stehende Händler so lange „Ballack, Ballack“ zu, bis ich meine Frau zur Seite nahm und ihr ins Ohr flüsterte: „Du, ich glaube, die halten mich für den ehemaligen Kapitän unserer Nationalmannschaft.“ Beim nächsten Ausflug packte ich sicherheitshalber einen Edding ein, man weiß ja nie, ob man einem kleinen marokkanischen Jungen mit einem Autogramm eine Freude machen kann. Damals wusste ich noch nicht, dass das deutsche „Ballack“ eine starke phonetische Ähnlichkeit mit dem arabischen „Balek“ hat. Und das heißt übersetzt: „Geh aus dem Weg!“

Am Pool sind zu viele Schlangen

Port Douglas ist ein idealer Ausgangspunkt für Fahrten zum Great Barrier Reef. Nur bei der Auswahl seines Hotels sollte man aufpassen: Wir hatten extra ein namhaftes Haus mit mehreren Sternen gebucht, das für seine sagenhafte Poollandschaft bekannt sein sollte. Gleich den ersten Abend wollten meine Frau und ich dort mit einer Flasche ausklingen lassen. Wir kamen nicht weit: Kaum hatten wir unser Zimmer verlassen, wurden wir von einer Frau in dunkler Hoteluniform aufgehalten. Wie wir auf die Idee kämen, hier am späten Abend herum zu laufen, wollte sie wissen. „Wir sind Gäste des Hotels“, sagte ich, und das stimmte ja auch. „Trotzdem: hier dürfen sie nicht sein“, sagte die Frau. „Why not?“ fragte ich. „There are too many snakes around here.“ Was es nicht alles gibt: Schlangen am Pool eines Hotels, das vierhundert Kracher für eine Übernachtung berechnet. Und der Strand war wegen der gefürchteten Stinger gesperrt… Australien, halt.

Kakerlaken

Alte Backpacker-Weisheit: Ist in deinem Zimmer eine Kakerlake, kannst du wenigstens sicher sein, dass hier nicht Millionen Tonnen Insektengift versprüht wurden. Soll heißen: Die kleinen Ekelviecher haben auch Ihr gutes,  wenn sie nicht gerade versuchen, die Badelatschen zu entführen… Meine Frau und ich haben auf den Reisen, die wir für mein Buch gemacht haben, übrigens die schlimmste Kakerlaken-Geschichte in einem uns zwar sehr fremden, ansonsten aber ziemlich entwickelten Land gemacht. In Bayern. Zum Glück hatte sich die Kakerlake im Joghurt meiner Frau versteckt…

Die lustigste Fluggesellschaft der Welt…

… ist ohne Frage Hawaiian Airlines. Die Maschinen mit den Blumen-Mädchen verkehren zwischen den Inseln wie bei uns die Busse im öffentlichen Nahverkehr. Das Verrückte sind die minutengenauen Start- und Landezeiten, 11.23 und 12.05 Uhr, zum Beispiel. Deutsche Pünktlichkeit auf Hawaii? Yes, Sir: Auf allen acht Testflügen passten die Starts und Landungen auf die Minute. Können die Hawaiianer bitte, bitte die Deutsche Bahn übernehmen (und die Blumen-Mädchen gleich mitbringen!)?

Asien zum Angeben

Wer nur ein paar Tage Zeit hat, aber trotzdem mit einer fetten Asienreise protzen will – kein Problem: Von Deutschland nach Singapur, dort erst einen Ausflug nach Bintan machen (45 Minuten mit dem Schiff), dann nach Kuala Lumpur (fünf Stunden mit dem Bus). Zack, war man innerhalb von vier Tagen in Singapur, Indonesien und Malaysia…Und genau das sollte man zu Hause auch erzählen, Einzelheiten stören nur.

Na, süchtig geworden? Mit 80 Ängsten um die Welt gibt es unter anderem auf Amazon zu kaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.