Kolumne: Hostel California – "London calling"

Wenn nicht über die Liebe gesungen wird, dann wird über die Orte gesungen, an denen man sie finden kann. Aber ist es dort wirklich so schön und romantisch, wie uns die Zeilen und Reime weismachen wollen? Wir stellen euch in unserer neuen Kolumne „Hostel California“ die am häufigsten besungenen Reiseziele vor und geben euch gleich ein paar Tipps für euren Trip dorthin mit. Heute: London.

Denmark Street

Die Briten verbindet eine besonders innige Liebe zu ihrer Hauptstadt. London ist genauso typisch britisch wie multi-kulti, genauso repräsentativ für die kleine Insellandschaft zwischen Nordsee und Atlantik wie für das britische Empire. Und damit natürlich auch beliebtes Objekt musikalischer Leidenschaft. Ganz nebenbei sind die Briten sowieso für den Erfolg gitarrengestützter Rock- und Popmusik der vergangenen 200 Jahren verantwortlich. Aber das ist ein anderes Thema.

The Streets of London

Besonders gerne wird über Londons Straßen gesungen: In Gerry Raffertys „Baker Street“ geht es um die berühmte Straße, in der Sherlock Holmes residiert. Den Song hat Rafferty allerdings einfach zu einer Zeit geschrieben, als er selbst häufig in der Baker Street bei einem Freund übernachtet hat. Everything But The Girl hat es eher die „Oxford Street“ angetan, Mekka der Londoner Shoppingjunkies und überfüllter Touristenmagnet zugleich: „When I was seventeen London meant Oxford Street / It was a little world, I grew up in a little world.“ David Bowies fröhlicher Walzer „Maid Of Bond Street“ ist einer weiteres Stück über eine Shoppingmeile im Londoner West End. Und nicht vergessen sollten wir Duffys Hit „Warwick Avenue“, in dem die gleichnamige U-Bahn-Station allerdings eher Metapher für eine zu Bruch gegangene Beziehung ist als eine Hymne an das liebste Transportmittel der Londoner.

Songs über den Untergrund

Zumindest was die Passagierzahlen angeht, ist die Tube auf jeden Fall unübertroffen. Mehr als dreieinhalb Millionen Menschen nutzen die elf Bahnlinien jeden Tag. Die Stationen teilen die Stadt inoffiziell in kleine, gut zu erreichende Häppchen. Kein Wunder, dass fast alle Tube-Stationen irgendwann mal in einem Song genannt werden. Die Dire Straits singen in „Eastbound Train“ gleich über eine ganze Zugreise mit verschiedenen Linien der Underground, während der Sänger Mark Knopfler (natürlich) eine Frau trifft.

The Jam wurden mit „Down In The Tube Station At Midnight“, einem Song über einen Mann, der mitten in der Nacht in einer Tube-Station von Räubern attackiert wird, ziemlich explizit. The Kinks trafen schon 1967 in „Waterloo Sunset“ das heutige Bild recht genau: „Millions of people swarming like flies round Waterloo Underground.“ Ohne die Tube geht in London nichts, das gitl sowohl für die EInheimischen als auch für Touristen. Am günstigsten und einfachsten nutzt Du die Bahn mit der Oyster Card, einer Plastikkarte in Führerscheingröße, auf die Du sowohl einfaches Guthaben als auch Zeitkarten laden kannst. Das System ist mittlerweile so beliebt und verbreitet, dass es sicher nur eine Frage der Zeit ist, bis der Oyster Card auch der eine oder andere Song gewidmet wird.

The Clash

Ruf der Stadt

Die Band mit der größten London-Dichte ist wahrscheinlich The Clash. Kein Wunder, stammt die Band doch mitten aus der Stadt. Am bekanntesten ist ihre Hauptstadt-Hymne „London Calling“, dem Sänger Joe Strummer die unvergesslichen Zeilen „London is drowning / And I live by the river“ verpasst hat. Der Titelsong der gleichnamigen Platte spielt allerdings – wie das ganze Album – nicht nur mit starken Bildern, sondern prangert in bester Punk-Manier auch die sozialen Missstände in der Stadt an. Zu den weiteren bekannten London-Songs von The Clash gehören: „The Guns Of Brixton“ (nahm die Unruhen vorweg, die den Stadtteil in den 80er-Jahren erschütterten), „(White Man) In Hammersmith Palais“, „Capital Radio“ und „City Of The Dead“

Um die Toten geht es auch bei Coldplay: „Cemeteries Of London“ ist ein recht dunkles Stück über die vielleicht faszinierendsten Orte in London. Die „Magnificent Seven“ sind eine Gruppe von Friedhöfen, die im 19. Jahrhundert angelegt wurden, nachdem London ein enormes Bevölkerungswachstum erfahren hatte und die existierenden Friedhöfe überfüllt waren. Wer bei Friedhöfen an die penibel angelegten Anlagen aus Deutschland denkt, wird sich ganz schön erschrecken beim ersten Blick auf die riesigen Parks in Highgate oder West Norwood. Halb verfallene Gräber stehen neben ganz neuen, manche am Wegesrand, manche verborgen unter Efeu und Sträuchern in den hintersten Ecken. Umgestürzte Grabsteine verwittern neben prunkvollen Mausoleen aus Marmor, von denen wiederum einige ihre besten Tage vor 50 oder 100 Jahren hatten.

Das waren nur ein paar der vielen tausend Songs über London, die in den vergangenen Jahrzehnten geschrieben worden sind. Und außerdem nur Songs von britischen Bands. Wenn Du Lust bekommen hast, London musikalisch zu erkunden, findest Du hier eine Playlist der britischen Zeitung The Guardian (via Spotify), auf der die meisten der Tube-Stationen vertreten sind. Mehr als genung Musik für einen Trip nach England!

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Vielen Dank an zoonabar, helgeov und Marc Blackburn-Wilson für die Fotos von Flickr.

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