Sizilien Reiseführer

Gastbeitrag von Anne auf Sizilien

Sizilien als Urlaubsziel?  Was soll es dort schon geben, außer der Mafia? Aber Achtung, Sizilien hat einiges zu bieten und vor allem es überrascht immer wieder! Sei es, was die Sehenswürdigkeiten, die Menschen, das Essen oder den Wein betrifft, und sogar für mich, die sich vor etwas mehr als einem Jahr auf dieser Insel, die sich in einem ständigen Zwiespalt zwischen Althergebrachten und Neuem zu befinden scheint, niedergelassen hat, ist sie immer noch ein Rätsel. Aber eins, was wert ist, aufgedeckt zu werden.

Mehr über meinen Alltag, meine Gedanken und Erlebnisse kann man auf meinem Blog anneaufsizilien.blogspot.it nachlesen.

Reiseziel Sizilien

Mir ist bewusst, dass viele, die sich auf die Insel begeben, den Norden als endgültiges Reiseziel wählen, auch, weil viele Charterangebote sich auf diesen spezialisiert haben. Hier kann man wählen zwischen Cefalù, Taormina, Giardini Naxos und Palermo, natürlich, für ein bisschen Großstadtflair. Will man jedoch Sizilien entdecken, sollte man die Touristenhochburgen mit ihren Massenhotels hinter sich lassen und sich gezielt treiben lassen.

Will man das authentische Sizilien, sollte man sich auf kleinen holprigen Straßen in die Berge begeben, wo man sich teilweise in die 50er Jahre versetzt fühlt, will man Kultur, begibt man sich vorzugsweise in den Südosten mit den barocken Hochburgen Ragusa Ibla, Noto und Modica, und den Süden mit den Tempelanlagen in Agrigento. Der kulinarischen Entdeckungslust sind keine Grenzen gesetzt, Sizilien hat so viele Köstlichkeiten zu bieten, dass es äußert gefährlich werden kann für den, der auf die schlanke Linie bedacht ist.

Im Folgenden möchte ich eine der schönsten Regionen auf Sizilien vorstellen, wobei dies natürlich meine eigene Meinung ist.

Reisezeit & Klima

Die besten Reisezeiten sind von Mitte April bis Juni und dann ab September bis November. Die Sonne scheint, man kann am Tag bereits kurzärmelig auf Entdeckungstour gehen und es regnet kaum. Juli und August empfehle ich nur denjenigen, die es richtig warm mögen und sich auf einen Strandurlaub eingestellt haben.

Ragusa und Umgebung

Ragusa liegt ca. 1.5 Stunden mit dem Auto vom Aeroporto Catania entfernt, dem internationalen Flughafen auf der Ostseite der Insel. Von Deutschland aus fliegen unter anderem Air Berlin und Germanwings, teilweise direkt, diesen Flughafen an.

Die Stadt bietet sich ausgezeichnet als Ausgangspunkt für alle möglichen Aktivitäten an. Besonders wer die barocke Baukunst bewundert, wird hier auf seine Kosten kommen. Zehn Minuten zu Fuß vom Stadtzentrum von Ragusa entfernt, liegt Ragusa Ibla, UNESCO Weltkulturerbe und eine der schönsten barocken Städte, die ic­h bis jetzt gesehen habe.

Kleine Gassen, kleine und große Paläste mit stuckbesetzten Vorsprüngen, eisernen Türen und Sandstein färbenden Fassaden. Hier kann man einen ganzen Tag nur mit dem San Giorgio, welcher sich  über alles andere erhebt. Nicht nur außen majestätisch, sondern auch innen prunkvoll im Übermaß.

Weiter im barocken Stile geht es dann nach Noto, etwas weiter östlich gelegen.  Auch hier überwiegt dieser Baustil und auch wenn man es sich nicht vorstellen kann, es wird tatsächlich nicht langweilig. Man sollte sich Zeit lassen und immer genau hinschauen, lieber die kleinen, vom Zentrum abgelegenen Straßen und Gässchen wählen und auch mal den Fotoapparat in eines der verfallenen Häusers halten, den Blitz einschalten und abdrücken…. es könnte interessant werden!

Modica, ca. 20 Minuten mit dem Auto von Ragusa entfernt, sollte nicht vergessen werden, denn auch dort befindet sich ein prunkvoller barocker Dom und diverse Paläste, bequem an den beiden Hauptstraßen gelegen. Wagt man sich ein wenig abseits der Hauptstraßen, muss man zwar diverse Treppen und Höhenmeter überwinden, aber es lohnt sich. Und der Ausblick entschädigt dann auch für einiges!

Siziliens Strände

Will man lieber am Strand entspannen, ein wenig Sonne tanken und die Seele baumeln lassen, ist das Meer nicht weit. Die Wasser- und Strandqualität ist meiner Meinung nach ausgezeichnet (und ich kann da schon etwas zimperlich sein), solange man die Hauptsaison Juli/August vermeidet. In diesen zwei Monaten sind die meisten Strände überfüllt von Norditalienischen Gästen und natürlich den Einheimischen, die ihr komplettes Leben an die am Meer gelegenen Städte verlegen.

Kilometerlange Strände, für jeden Geschmack, werden hier geboten. Will man etwas Action, bietet sich die Strandpromenade direkt in Marina di Ragusa (ca. 20 Autominuten von Ragusa entfernt) an; Bars und Restaurants sind in unmittelbarer Naehe und es gibt auch einen Touristenhafen für die diejenigen, die mit dem eigenen Boot anreisen.  Die Strände in Casuzze und Punta Secca bieten eine angenehme Mischung aus Familien, Jugendlichen und Senioren, so dass man ganz in Ruhe seinen Gedanken nachgehen kann. Scoglitti, etwas weiter in Richtung Westen gelegen, hat einen wunderschönen, langen Sandstrand und ist keineswegs, was verwundert, überfüllt.

Das Gleiche gilt für die Strände in Donnalucata (von Marina di Ragusa in östlicher Richtung) und weiter nach Cava D’Aliga. Zwischen Marina di Ragusa und Donnalucata befindet sich außerdem ein Naturreservat, dass einen Strand hat, der – unter Beachtung der Regeln – von allen genutzt werden kann und vor allem Ruhe und Abgeschiedenheit bietet. Fährt man etwas weiter, kommt man am Playa Grande vorbei, auch hier geht es eher ruhig zu.

Essen und Trinken

Die sizilianische Küche hält Unmengen von Überraschungen und Leckereien bereit. Zudem sind die sizilianischen Weine ausgezeichnet, wobei das Preis-Leistungsverhältnis sehr überzeugt.

Man sollte an den Restaurants vorbeigehen, die ein Menü für Touristen anbieten. Sicher, man kann Glück haben, aber man sollte es auch nicht herausfordern. Die kleinen Trattorias, in denen sich nur Sizilianer, und hier meist die Männer, aufhalten, sind dagegen sehr zu empfehlen, man bekommt Hausmannskost zu fairer Preisen und die meisten Zutaten sind aus lokaler Herstellung.

Was unbedingt zu probieren ist, sind die Käse aus Ragusa (Cacciocavaddu, Cacciocavallo, Provola und Ragusano DOP), gesalzener Ricotta und Salsiccia, eine Wurst, die genauso gut zum Grillen wie für eine Tomatensoße geeignet ist und die man auch als Salsiccia secco bekommt. Zudem gibt es noch regionale Spezialitäten, die aber nicht schwer zu finden sind, wenn man mit offenen Augen durch die Städte und kleinen Spezialitätenläden geht.

Wer Süßes mag, ist auf Sizilien genau richtig! Biscotti mit Mandeln oder Pistazien kann man in fast jeder Bar kaufen und wenn die Bar auch noch eine Pasticceria ist, kommen die Leckereien direkt aus eigener Herstellung. Zu empfehlen ist auch ein Canollo mit Ricotta, meine Schwäche, die Cassatella, ein Törtchen mit Riccottafüllung oder die Cassata Siciliana aus Palermo mit kandierten Früchten und Ricotta.

Meine Empfehlungen für die Weinverkostung und den Weinkauf:
Im Osten der Insel, in Pachino, südlich von Siracusa, befindet sich die Weinkellerei Rudinì. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Nero D’Avola (Eloro Pachino DOC), aber auch die weißen Weine sind nicht zu verachten, wobei ich am liebsten den Espressione Chardonnay trinke. Besonders von Vorteil ist auch, dass kaum bis gar keine Sulfite genutzt werden, was dem Geschmack gut tun und am nächsten Morgen auch dem Kopf. Man kann selbstverständlich die Weinkellerei (cantina) besuchen und auch an Verkostungen teilnehmen. Wenn man kein italienisch spricht, funktioniert es auch mit Englisch.

Im Südwesten der Insel, ca. eine Stunde mit dem Auto von Agrigento, in Sambuca di Sicilia, befindet sich die Weinkellerei Di Giovanna, deren Weine ausschließlich biologisch sind und unglaublich gut schmecken. Zudem liegen die Rebstöcke, die man auch besichtigen kann, in einem Naturreservat. Hier kommt man sehr gut mit Deutsch zurecht, die Eigentümer haben eine deutsche Mutter und sind in Wermelskirchen, nahe Köln, aufgewachsen.

Es gibt aber noch viele andere, große und kleine, Weinkellereien, die neben Führungen auch Übernachtungsmöglichkeiten anbieten. Die Seite Agriturismo.it hat sich  in der Vergangenheit als sehr hilfreich erwiesen.

Ausgehen & Nachtleben

Ab April-Mai kommt neben dem guten Wetter auch die Ausgehsaison in Gang. Die Discotheken machen wieder auf, die diversen Bars stellen die Stühle raus und, ganz wichtig, die Menschen verbringen wieder viel Zeit im Freien. An den Wochenenden ist an den Strandpromenaden einiges los und ganz nach dem Motto „Sehen und Gesehen werden“ dreht man seine Runden.

Will man Tanzen und das am Liebsten noch unter freiem Himmel, sind dem im Sommer keine Grenzen gesetzt. Man folgt einfach den jungen Menschen, die sich gegen Mitternacht, ein Uhr, auf den Weg machen und schon findet man sich in einer Außerhausdisco wieder. Fragen hilft auch, alle sind hier sehr hilfsbereit und laden gerne ein, sich der Gruppe anzuschließen. Im Süden kann man gut in Pozallo tanzen gehen, in Marina di Ragusa befindet sich unter anderem das Koala Maxi, mit 6 verschiedenen Tanzflächen. Ganz in der Nähe, in Donnalucata, liegt das B-Lounge direkt am Strand.

Sizilien ist immer eine Reise wert und man sollte sich die Zeit nehmen, die Insel für sich zu entdecken, ob alleine oder mit den Lieben, aber nie in großen Gruppen!

Danke an Hermés und Anne für die Bilder.

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