Kolumne: Ist schon ok…einen Bogen um den Karneval zu machen

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Oh Gott, die fünfte Jahreszeit! Das Problem ist ja, dass sie schon lange angefangen hat, bevor sie so richtig losgeht. Unbemerkt und ungesehen*1) schleicht sie sich in unseren Rücken und dann ist es zu spät. Eines Montags gehen wir nichtsahnend aus dem Haus und lange vor zehn Uhr laufen uns betrunkene Prinzessinnen und Indianer über den Weg. „Ist denn schon wieder Halloween?“, mag man sich in einem Anfall von kulturpessimistischem Sarkasmus fragen, bevor das ganze Gewicht der Erkenntnis unweigerlich über einen hereinbricht: Die Narren sind los! Oder Jecken. Oder wie auch immer die kostümierten Wahnsinnigen genannt werden möchten. Dir läuft dabei auch ein eiskalter Schauer den Rücken runter? Ist schon ok, einen Bogen um den Karneval zu machen, finden wir.

Cowboys und Kölsch

Wir bei HostelBookers sind ja nicht ganz unschuldig. Karneval in Köln, Carnevale in Venedig, Carnaval in Rio, in aller Welt sowieso und auf Wunsch auch gerne alternativ. Zum Verreisen eignet sich die Faschingszeit ganz fantastisch. Das Verkleidefest ist neben vielleicht die universalste Feier der Welt. Irgendwie kann sich jeder darauf einigen, dass es ganz schön wäre, jemand anders zu sein. Zumindest für ein paar Tage und mit Hilfe von ein paar Drinks, Schminke und bescheuerten Hüten. Cowboys und Indianer, Prinzessinnen und Superhelden mischen sich unter die Horden von Was-auch-immer-gerade-in-ists: Hobbits, Morphsuits oder – passend zum diesjährigen Motto „Zokunf – Mer spingkse wat kütt“ – Astronauten und die Besatzung des Raumschiffs Enterprise in unendlichfacher Ausführung. Beam mich raus hier, Scotty!

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Die spinnen, die Karnevalisten

Aber es geht noch um mehr: Die Verwandlung geht ja einher mit einer Zügellosigkeit, die selbst für fitte Partygänger kaum zu ertragen ist. Als gemütliche norddeutsche Seele erscheint das ganze Tamtam dem Verfasser dieser Zeilen doch arg bemüht. Wenn ich mich betrinken will, reicht doch die Kneipe oder ein Kasten Flens. Da brauch ich keine Verkleidung. Ich kann auch ohne Kostüm keinen Spaß haben, oder so ähnlich. Vielleicht muss man sein Leben lang dafür trainieren, ja darauf hinarbeiten, Karnevalist zu sein, das fade Kölsch runterzukippen, sich mit Kamellen bewerfen zu lassen und in viel zu dünnen Kostümen im Februar oder Anfang März stundenlang auf der Straße herumzustehen.

Und ständig dieser Lärm!

Ein dickes Fell braucht man auf jeden Fall, um die „Musik“ zu ertragen. Die Bandbreite der ansonsten schon unhörbaren Partyhits*2) wird zum Karneval noch durch so Granaten wie die Höhner („Viva Colonia“ und „Kölsch un e lecker Mädche“) und die unvermeidliche „Polonäse Blankenese“ erweitert. Nicht mal der Alkohol geht als Entschuldigung dafür durch, dass alle mitgrölen, wenn Erwin der Heidi von hinten an die Schulter fasst oder die zehn nackten Frisösen mit ihren richtig feuchten Haaren die Straßen unsicher machen. Es hat schon seinen Grund, dass die meisten dieser unsäglichen Kompositionen an den Tagen zwischen Aschermittwoch und schmotzigem Donnerstag in der Versenkung verschwinden.

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Ordnung muss sein

Das Skurrilste an den Chaostagen für die ganze Familie ist vielleicht, dass es ohne Ordnung überhaupt nicht geht. Das Trinken, Feiern und Verkleiden muss in bester Vereinstradition bürokratisch durchorganisiert sein, mit Tagesordnungen, ellenlangen Reden voller Pointen, über die sogar Politiker lachen können, Statuten*3) und der nach § 52 Abs. 2 der Abgabenordnung als gemeinnützig anerkannten Pflege traditioneller Karnevalsbräuche. Wahrscheinlich schreibt irgendeine arme Sau auch Protokoll.

Na dann: Prost, Helau, Alaaf und viel Spaß, falls Du Dich doch auf die Straße wagst. Wir sehen uns in der Fastenzeit!

Fußnoten:
*1) Weil all die Karnevalssitzungen nur auf den dritten Programmen übertragen werden, bekommt ja niemand was davon mit (*tusch*).
*2) Von „Ein Bett im Kornfeld“ bis zu „Lebt denn der alte Holzmichl noch“ hat der deutsche Schlager ja so manche unsterbliche Perle produziert.
*3) „Zweck der Gesellschaft ist, den Humor unter den jungen Leuten des Balzes hochzuhalten.“ Aha.

Danke an wuestenigel, avatar-1 und CRUSTINA! für die Bilder von Flickr.

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