Kolumne: Ist schon ok…sich ins Weihnachtsgetümmel zu stürzen

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Die Vorhersehbarkeit des Ereignisses ist beispiellos. Jedes Jahr kündigt es sich Wochen, ach, Monate im Voraus an. Die Indizien sind in rot-weißen Glitzerhaftigkeit kaum zu übersehen. Weihnachten steht vor der Tür. Und genauso regelmäßig verfallen die Menschen in Panik, weil sie am 4. Advent noch nicht alle Geschenke für die Lieben beisammen haben und sowieso nicht wissen, was sie Opa schenken sollen („Der hat ja alles!“). Die Weihnachtsbäume sind alle krumm, zu klein und nicht dicht genug, weil irgendwelche Verrückten die besten Tannen schon Ende November gekauft haben und jetzt mitsamt Netz im Garten bunkern. Und über das Weihnachtsessen mit der 15-köpfigen Familie am kleinen Esstisch zwischen Kirchenbesuch um 16 Uhr und der Bescherung spätestens um 18 Uhr – wenn die Kinder es bis dahin aushalten – hat sich auch noch niemand Gedanken gemacht.

Es ist jedes Jahr dasselbe. Das wusste schon der Komponist des Klassikers „Alle Jahre wieder“. Wir könnten uns ja einfach aus dem Staub machen, in den Urlaub fahren irgendwohin, nur weit von Weihnachten entfernt. Timbuktu zum Beispiel. Aber stattdessen machen wir das Gegenteil: Wir fahren zum Weihnachtsshopping nach New York, drängeln uns durch die Londoner Innenstadt oder suchen bei der Christmesse auf dem Petersplatz im Vatikan zusammen zehntausenden anderen Menschen nach Ruhe und Frieden. Sind wir verrückt? Ein bisschen wahrscheinlich. Aber es ist schon ok, sich so richtig und kompromisslos ins Weihnachtsgetümmel zu werfen. Wann haben wir dazu sonst schon die Gelegenheit?

Weihnachten ist nur einmal

Na ja, zumindest nur einmal im Jahr. Und auch wenn die Supermärkte es gefühlt jedes Jahr ein bisschen früher schaffen, in den Regalen Platz für Lebkuchen, Stollen und Schoko-Nikoläuse zu machen, stimmt die Atmosphäre erst so richtig im Dezember. Es wird früh dunkel und in den Straßen leuchten die zu kunstvoll-kitschigen Formen und Figuren arrangierten LED-Lampen. Der Glühweinstand ist die beste Ausrede, sich schon vor dem Shoppen ein bisschen Mut anzutrinken. Es ist zumindest kalt, wenn schon kein Schnee fällt. Und der kleine Hitzeschock, der Dich immer dann überkommt, wenn Du durch die Türen eines Kaufhauses ins beheizte Innere gehst, löst eine wohlige Erinnerung an vergangene erfolgreiche Weihnachtseinkäufe aus.

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Geschenke!!

Unser eigenes schlechtes Gewissen erinnert uns häufig genug daran, dass wir uns an Weihnachten endlich mal auf das Wesentliche konzentrieren sollten. Selbst nicht religiöse Menschen können sich da kaum rausreden. Das Wichtige ist doch die Familie und das Beisammensein, gemeinsames Essen und das Entschleunigen (Erinnert sich noch jemand an das Wort?), rumort es im Hinterstübchen. Aber noch schöner ist es doch, auch ein paar Geschenke zum Familientreffen mitzubringen und das Essen muss ja auch eingekauft werden. Spätestens wenn Papa die Carrerabahn seines zehnjährigen Neffen aufgebaut hat und mit Opa auf dem Boden sitzt und um die Wette flitzt, stellt sich das gemütliche Zusammensein doch von selbst ein, oder?

Flucht ins Innere

So paradox es klingt, die Weihnachtshektik kann dazu beitragen, unser inneres Gleichgewicht zu finden. Inmitten der Myriaden an anderen Menschen, die sich mit panikerfüllten Augen, verzweifelten Gesichtern und angstvollen Blicken auf die langen Einkauflisten durch die Geschäfte drängeln, können wir uns ganz auf uns konzentrieren. Schließlich achtet niemand drauf, wenn wir unentschlossen und etwas orientierungslos im Buchladen stehen oder uns ganz am Ende der längsten Schlange am beliebtesten Crêpe-Stand anstellen, um ein paar Minuten zur Reflexion zu haben. Selten fällt es uns einfacher, die ganze rot-weiße Glitzerwelt für eine Weile auszublenden als mitten im Auge des Festtags-Sturms.

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All die leckeren Sachen

Die Lebkuchen-Industrie hat ja selber Schuld, wenn sie ihre leckeren Produkte nur für ein paar Wochen (na gut, Monate) im Jahr in die Regale stellt. Gleiches gilt natürlich für die Glühwein-Winzer und die Zimtstern-Bäcker. (Die Hersteller von Schokolade in Kugel- und Hohlkörperform lassen wir mal von der Leine hier, weil die ihre Produkte ja immerhin zweimal im Jahr anbieten, in eieriger und hasiger Form nämlich.) Wir können ja überhaupt nicht anders, als uns in der kurzen Zeit so vielen Variationen dieser Leckereien wie möglich auszuliefern. Und am besten geht das natürlich direkt an der Quelle auf Shopping-Tour.

Frohes Fest!

Danke an Mike_fleming, photojenni und CRUSTINA! für die Bilder von Flickr.

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